Am Anfang

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Am Anfang

Am Anfang einer menschlichen Aktion steht bekanntlich ein Gefühl oder ein Wunsch, die zu einem Gedanken führen, der seinen Ausdruck in einer Tat findet.

Bei mir war es ein Gefühl des Unbehagens, das letztlich zur Entstehung des Blogs Homo Mysticus beitrug. Der Auslöser für mein Unbehagen war der beunruhigende Inhalt des Buches Homo Deus von Noah Juval Harari.

Es ist schon eine Weile her, seit ich das Buch gelesen habe.
Ich war sehr beeindruckt von den weit geknüpften Zusammenhängen dieses genialen Denkers, der als Historiker über profundes geschichtliches Wissen verfügt.

Zum Inhalt

Künstliche Intelligenz
Durch die Schöpfung künstlicher Intelligenz (KI) und die Entwicklung ungeahnter biotechnologischer Möglichkeiten, wird der Mensch immer mehr zum“Gottmensch”, dem Homo deus, der Krankheit, Alter und Tod, die uralten Geisseln der Menschheit, in Zukunft überwinden wird.

Des weiteren bringt Harari mögliche Szenarien in Verbindung mit den aktuellen Entwicklungen und zukünftigen Potentialen der künstlichen Intelligenz.

Durch seine Recherchen und Beurteilungen sieht er eine Entwicklung auf uns zukommen, welche grosse Bevölkerungs- schichten arbeitslos machen wird, da ihre Arbeit durch künstliche Intelligenz (KI) übernommen oder schlichtweg überflüssig werden wird. Diese für Wirtschaft und Konsum sogenannt “nutzlose” Bevölkerungsgruppe wird keinen Zugang zu den angestrebten Zielen des Homo Deus haben, da sie nicht über die finanziellen Mittel verfügen wird, um sich von ihrem eigenen Altern und dem Tod loszukaufen.

Science fiction?
Was sich zunächst futuristisch und nach Science Fiction anhört, wird nach der Lektüre des Buches eine bedrückende und beunruhigende Vision, die durchaus ernst genommen werden will.

Gedanken

Ich gehöre zu einer der letzten Generationen, die eine Kindheit und Jugend ohne Computer, digitaler Vernetzung und Informationsüberflutung erlebt haben. Als ich mit 12 Jahren einen Kassettenrekorder erhielt, der mit klobigen Tasten ausgestattet war, hatte ich keine blasse Ahnung, dass es in nicht so weiter Zukunft Armbanduhren geben würde, die Funktionen übernähmen von Kassettenrekorder, Radio, Telefon, Fitnesscoach, Briefe schreiben und Vitalfunktionsüberwachung und noch vieles mehr. Diese und andere Entwicklungen waren nicht vorhersehbar, weil sie unsere Vorstellung bei weitem überstiegen. Wir haben für viele Probleme hervorragende Lösungen gefunden, aber die bergen offenbar ebenso unvorhersehbare Tücken. 

Im Zusammenhang mit der Entwicklungsspirale der Integralen Philosophie habe ich einem Buch von Ken Wilber einmal gelesen, (ich zitiere sinngemäss): „Die Lösungen von heute werden zu den Problemen von morgen“. 

Die Lösung von gestern
Die Computertechnologie wurde entwickelt, um komplexe Berechnungen in kürzester Zeit bewältigen zu können. Dadurch wurde es möglich, riesige Datenmengen zu verarbeiten. Die Computerleistung löste das Problem der beschränkten Menge an Berechnungen, die ein Mensch in vernünftiger Zeit schaffen konnte. Ich brauche wohl kaum zu erwähnen, dass die daraus entstehenden Entwicklungen zu Beginn nicht vorhersehbar waren. Die Menge an Lösungen von Problemen, die in verschiedensten Fachgebieten gelöst werden konnten ist unüberschaubar geworden. Das war gestern.

Das Problem von heute
Heute stehen wir vor den Herausforderungen und den Problemen der Computertechnologie. Dazu gehören an vorderster Front, neben dem undurchsichtigen Umgang mit persönlichen Daten, die künstliche Intelligenz, die inzwischen selbstlernend ist. Und damit komme ich zum Thema Algorithmen. Über diesen Link kommst du zu einer übersichtlichen Definition von Algorhitmus.

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Einige Auswirkungen der Algorithmen werden für uns sichtbar, wenn uns der Streamingdienst Musiklisten vorschlägt, die auf dem Muster der bereits gehörten Stücken basiert. Nach Suchanfragen im Internet werden uns passende Artikel oder Bücher verschiedener Onlinehändler vorgeschlagen.
Algorithmen erkennen Muster in riesigen Datenmengen, die wir im Internet hinterlassen und “stricken” selbstständig weiter. Es werden Bedürfnisse in uns geweckt, von denen wir nicht wussten, dass wir sie haben und wir bilden uns ein, sie seien in uns selbst entstanden.

Was mich beschäftigt

Die nachfolgenden Textauszüge und die drei wichtigen Fragen werden mich sicher noch sehr lange beschäftigen und die Auswahl der Themen meiner zukünftigen Blogbeiträge beinflussen.

“In der Vergangenheit funktionierte Zensur dadurch, dass der Informationsfluss blockiert wurde. Im 21. Jahrhundert bedeutet Zensur, die Menschen mit irrelevanten Informationen zu überschwemmen. Die Menschen wissen einfach nicht, worauf sie achten sollen, und vergeuden ihre Zeit oft damit, sich mit Nebenaspekten zu beschäftigen.”
Noah Yuval Harari

Zitiert aus, „Homo Deus“

Am Ende des Buches stellt Harari drei Fragen und hofft, dass sie den Leser nachhaltig beschäftigen werden.

1. Sind Organismen wirklich nur Algorithmen, und ist Leben wirklich nur Datenverarbeitung?

2. Was ist wertvoller – Intelligenz oder Bewusstsein?

3. Was wird aus unserer Gesellschaft, unserer Politik und unserem Alltagsleben, wenn nichtbewusste, aber hochintelligente Algorithmen uns besser kennen als wir uns selbst?

In der Auseinandersetzung mit der Bedeutung von Algorithmen allgemein und in meinem persönlichen Alltag, komme ich nicht umhin, mich zu fragen, was ich denn wirklich möchte, wo meine Freiheiten liegen und was mich in meinen Entscheidungsprozessen leitet.

Was sind meine Werte und woran glaube ich?
Wie sieht mein Weltbild aus und welche Erfahrungen liegen ihm zugrunde?
Wie wichtig ist Selbsterkenntnis und was ist ihr Ziel?

Es ist nicht so, dass ich mir diese Fragen erst nach der Lektüre von “Homo deus” stellte. Nein, sie begleiten mich in der einen oder anderen Form schon seit früher Jugend an. Im Unterschied zu heute betrachte ich sie aber nicht mehr als Privatangelegenheit und Luxus im stillen Kämmerlein.

Und was hat dies mit Mystik zu tun?

“Mystik ist eine Offenbarung des Ewigen inmitten des Vergänglichen…”

Wayne Teasdale  “Das mystische Herz”

Integrale Entwicklungsspirale

Das Problem meiner individuellen und der kollektiven Meinungen ist die Erkenntnis, dass das Bewusstsein eine entscheidende Rolle für das Erkennen und Verstehen der sich entfaltenden Realität spielt.

Es ist nämlich unmöglich, die Beobachterin vom Beobachteten zu trennen. Es ist deshalb sinnvoll, sich eine Orientierungshilfe zu suchen, um herauszufinden, wo man selber oder wo andere stehen.

Um dies zu ergründen finde ich die dynamische Entwicklungsspirale aus der integralen Theorie umfassend, komplex und nützlich. Dazu später mehr.

Die Entwicklung der Menschheit und der Persönlichkeit verlaufen spiralförmig durch verschiedene Ebenen empor. Die Einsichten und Meinungen eines Menschen sind immer abhängig von seiner aktuellen Entwicklungsstufe.
Die Ebenen stellen eine Wachstumshierarchie dar und sind keinesfalls mit einer Machthierarchie zu verwechseln.
Mehr dazu in den kommenden Beiträgen zur integralen Theorie.

Die mystische Erfahrung der inneren Ergriffenheit durch eine höhere Realität ist auf allen Entwicklungsstufen möglich, denn es handelt sich hierbei um einen vergänglichen Zustand und nicht um eine Errungenschaft. Da die mystische Erfahrung auf allen Ebenen möglich ist, halte ich sie für eine universale Erfahrung, die über alle Grenzen hinweg verbindend sein kann.

Aus solchen Erfahrungen heraus möchte ich mich mit den Themen auseinandersetzen, über die ich in diesem Blog schreiben werde.

Ich hege dabei keineswegs den Anspruch, wissenschaftlich, rein rational oder studienbasiert zu schreiben.

Also, was das alles mit Mystik zu tun hat, weiss ich selber noch nicht wirklich, aber ich hoffe, es im Laufe der Zeit zu erfahren.

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